Finanzielle Lage der Stromerzeuger: Die Energiewende auf dem Prüfstand der Wirtschaftlichkeit – Schweizer Ausgabe

Colombus Consulting veröffentlicht die 11. Ausgabe seiner Studie zur finanziellen Lage der europäischen Stromerzeuger, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den Schweizer Akteuren und Herausforderungen liegt.

Im Jahr 2025 kehren die Schweizer Stromerzeuger nach zwei außergewöhnlichen Jahren wieder zur Normalität zurück: Die Umsätze gehen moderat zurück, während das EBITDA deutlicher sinkt, was auf eine Entspannung bei den Marktpreisen und eine sehr hohe Vergleichsbasis zurückzuführen ist. Dieser Rückgang stellt die finanzielle Solidität der Akteure nicht in Frage, zeigt jedoch, dass die Widerstandsfähigkeit nun von drei entscheidenden Faktoren abhängt: der Qualität des Anlagenportfolios, der Steuerung des Marktrisikos und der Fähigkeit, den Cashflow zu sichern.

Rückläufige Ergebnisse und drei Hebel für mehr Widerstandsfähigkeit

Im Jahr 2025 verzeichnen die Schweizer Stromerzeuger einen deutlichen Rückgang. Alpiq verzeichnet einen Umsatzrückgang von 7 % und einen Rückgang des EBITDA um 41 %, was auf die Stilllegung des Kraftwerks Gösgen, geringere Wasserzuflüsse und einen geringeren Beitrag aus dem Handel zurückzuführen ist. Axpo verzeichnet einen Rückgang von 3 % (Umsatz) und 32 % (EBITDA). Die BKW verzeichnet einen Rückgang von 5 % bzw. 15 %. Repower verzeichnet einen Rückgang von 20 % bzw. 13 %.

Dieser Rückgang spiegelt das Ende eines Zyklus hoher Preise wider. Die finanzielle Widerstandsfähigkeit stützt sich nun auf drei Hebel: die Qualität des Anlagenportfolios, die Steuerung des Marktrisikos und die Sicherung der Erträge. In der Schweiz legen die Erzeuger Wert auf die Flexibilität der Wasserkraft, Speicherkapazitäten und regelbare Anlagen. Alpiq verfolgt eine Strategie zur Optimierung des Schweizer Wasserkraftparks und zum Ausbau von Batteriespeichern in Europa. Axpo sichert sich regelbare Anlagen in Polen, um die Integration erneuerbarer Energien zu unterstützen.

Schweizer Stromerzeugung: Ein CO₂-armer Mix unter Druck

Im Jahr 2025 geht die Schweizer Stromerzeugung auf 67,7 TWh zurück, gegenüber 81,1 TWh im Jahr 2024 (−16,5 %), was auf eine geringere Wasserkraftproduktion (37,5 TWh nach einem Rekordwert im Jahr 2024) und die verlängerte Stilllegung des Kraftwerks Gösgen zurückzuführen ist. Die Solarenergie setzt ihren Aufwärtstrend mit 8,1 TWh fort und verzeichnet ein Wachstum von 34,6 % am Endstromverbrauch.

Auf europäischer Ebene ist die Solarenergie der wichtigste Wachstumsmotor (+51 TWh) und gleicht damit den Rückgang bei der Wasserkraft (−52 TWh) und der Windenergie (−10 TWh) aus. Die Kernenergie bleibt stabil. Der CO₂-freie Anteil am Energiemix erreicht 69 % und der Anteil der erneuerbaren Energien 43 %.

Strompreise: Ein anhaltender Aufschlag in der Schweiz

Die Schweiz weist einen hohen Jahresdurchschnitt von rund 102 €/MWh auf, was auf einen anhaltenden Aufschlag aufgrund der Netzanbindung an die EU zurückzuführen ist. Schweden liegt weiterhin bei 42,6 €/MWh (flexibler Energiemix), Frankreich bei 63,2 €/MWh (Kernkraft), während Italien 121,8 €/MWh erreicht (Gasabhängigkeit). Diese Streuung spiegelt die physikalischen Gegebenheiten der Stromnetze wider: Die europäische Integration mildert die Unterschiede, beseitigt sie jedoch nicht, wenn lokale Zwänge die Preisbildung dominieren.

Die Schweiz vor großen Entscheidungen im Energiebereich

Während die Eidgenössische Elektrizitätskommission bereits vor Versorgungsengpässen aufgrund geopolitischer Spannungen warnt, steht die Schweiz vor einem historischen Wendepunkt. Die Energieunabhängigkeit des Landes liegt bei lediglich 32 Prozent des nationalen Bedarfs, was den Bund dazu zwingt, den größten Teil des Jahres auf Energiekredite angewiesen zu sein.

Angesichts der Krisen im Nahen Osten, die die europäischen Gasvorräte bedrohen, befürchtet die ElCom direkte Auswirkungen auf die Schweizer Versorgung während Kältewellen. Diese Anfälligkeit hat einen bedeutenden politischen Kurswechsel ausgelöst: Im Juni 2026 hat das Parlament den Gegenvorschlag verabschiedet, der den Bau neuer Kernkraftwerke erlaubt. Ein Referendum in den kommenden Jahren wird entscheiden, ob die Atomkraft tatsächlich wieder einen bedeutenden Platz im Energiemix einnehmen wird oder nicht.

Parallel dazu treibt die Schweiz den Ausbau einheimischer Energien voran. Seit dem 1. April 2026 verkürzt eine entscheidende Gesetzesrevision die Fristen für Strominfrastrukturen von nationalem Interesse, während der neue „Winterbonus“ darauf abzielt, Solarprojekte in den Alpen anzukurbeln. Diese Beschleunigung stößt jedoch an physikalische Grenzen: Die Stromnetze sind nahezu ausgelastet. Der massive Boom der Photovoltaik im Sommer führt zu starken lokalen Überschüssen und teilweise negativen Preisen, während die explosionsartige Nachfrage durch Rechenzentren die Leitungen im Winter belastet. Die Modernisierung des Übertragungsnetzes erfordert beispiellose Investitionen, um einen technischen Engpass zu vermeiden.

Die historische Unterzeichnung des Stromabkommens zwischen der Schweiz und der EU am 2. März 2026 bringt dieses Gesetzespaket vor das Parlament – als Auftakt zu einem wahrscheinlichen Referendum. Dieses Abkommen zielt darauf ab, ein Paradoxon zu lösen: Die Schweiz ist eine wichtige physische Drehscheibe für die europäischen Stromflüsse, bleibt jedoch von den europäischen Marktplattformen ausgeschlossen. Ohne die im Abkommen versprochene rechtliche Integration ist die Schweiz von den automatischen europäischen Handelsplattformen ausgeschlossen und kann weder ihre Hilfsdienste bei Spannungsspitzen zu hohen Preisen vermarkten noch effektiv von negativen Preisen profitieren, um Energie zu speichern.

Im Hinblick auf den politischen Zeitplan 2026–2027 wird die Fähigkeit des Landes, zwischen internationaler Öffnung, dem Wiederaufbau der Kernenergie und der Modernisierung seiner Infrastruktur abzuwägen, der eigentliche Maßstab für die Schweizer Energiepolitik sein.

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