Ein verbessertes mobiles und soziales Erlebnis, KI und TikTok im Mittelpunkt der Kundenbindung und begrenzte Produktinnovationen – aber zunehmende digitale Nähe und Verantwortung.
Die Ausgabe 2025 der Studie bestätigt die zunehmende Reife des digitalen Bankwesens in der Schweiz und deckt gleichzeitig dessen Widersprüche auf. Die Banken festigen ihre Errungenschaften – insbesondere im Bereich Mobilfunk und soziale Netzwerke – und richten ihre Investitionen und Prioritäten neu aus. Während UBS, Raiffeisen und Swissquote den Erfolg einer kontrollierten Transformation verkörpern, spiegelt der allgemeine Rückgang der Web-Publikumszahlen und der digitalen Budgets einen Zykluswechsel wider, nämlich die Neuausrichtung auf den Kundennutzen statt auf technologische Überbietungen.
Ein Ranking, das weitgehend von UBS, Swissquote und Revolut dominiert wird
Die UBS bleibt dank einer starken digitalen Strategie, die hervorragendes Marketing und gute Sichtbarkeit in den sozialen Netzwerken kombiniert, an der Spitze. Raiffeisen macht Fortschritte und setzt sich im Bereich Web durch, während PostFinance aufgrund uneinheitlicherer Leistungen im Bereich soziale Netzwerke und verantwortungsbewusste Digitalisierung zurückfällt. Unter den aufstrebenden Banken bestätigt Swissquote ihre Dynamik dank Innovation und einem starken Engagement für verantwortungsbewusstes Digitalisieren, und Revolut behauptet ihre Position dank der Leistungsfähigkeit ihres mobilen Ökosystems. Das Podium 2025 verdeutlicht die zunehmende Reife von Banken, die Leistung, Innovation und Verantwortung miteinander verbinden.
Sehr umfangreiche Webseiten, vielleicht sogar zu umfangreich, während 40 % der Besuche über ein Mobilgerät erfolgen
Die Webeitens der Schweizer Banken gehören nach wie vor zu den umfassendsten der Branche, aber ihre Dichte wirft angesichts der zunehmenden Nutzung mobiler Geräte Fragen auf. Im Jahr 2025 erfolgen 40 % der Besuche über ein Smartphone. Diese neuen Codes und Praktiken, die von den Banken noch nicht beherrscht werden, führen dazu, dass der gemessene Web-Traffic um durchschnittlich 14 % zurückgeht. Über den Traffic hinaus sinkt auch die Verweildauer pro Seite um 50 %. In einer Zeit, in der die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird, zeigt unsere Studie, dass die Ladezeiten von Webseiten zu einem wichtigen Punkt der Unzufriedenheit für Kunden werden.
Die Banken gleichen ihre digitalen Budgets neu aus, mit einem Rückgang bei SEA (-21 %) und einem Anstieg bei Display und sozialen Netzwerken.
Eine verspätete Beschleunigung der Entwicklung mobiler Apps durch die Berücksichtigung der Kunden
Das Handy ist zu einer tragenden Säule der Bankbeziehung geworden. Nach Jahren von Anpassungen entscheiden sich Institute wie BCV und Postfinance für die Modernisierung ihrer bestehenden Apps. Vereinfachte Benutzeroberflächen, ESG-Funktionen und personalisierte Analysen zeugen von einem stärker auf die Kundenbedürfnisse ausgerichteten Ansatz. Diese Bemühungen werden durch gutes Nutzer-Feedback belohnt und bestätigen die zentrale Rolle des Handys für die Kundenbindung und die Kundenerfahrung.
TikTok wird zu einem wichtigen Kanal für die finanzielle Bildung der jüngeren Generation
Soziale Netzwerke erleben eine starke Dynamik, die durch den Aufstieg von TikTok vorangetrieben wird. Immer mehr Banken wie AKB, BEKB, Raiffeisen oder UBS entwickeln dort Konten, die sich an junge Kunden richten und Einfluss, Pädagogik und Engagement miteinander verbinden. Diese Strategie verdeutlicht die Entwicklung des Bankmarketings hin zu authentischeren und partizipativeren Formaten. Gleichzeitig bleiben LinkedIn und Instagram die führenden Plattformen in Bezug auf das Engagement, da sie die meisten Likes, Kommentare und Interaktionen generieren und es den Banken ermöglichen, ihre Glaubwürdigkeit und Sichtbarkeit in ihrer etablierten Community zu stärken. Soziale Medien werden somit zu einem wichtigen Hebel für die Bekanntheit, die Nähe und die Modernisierung des Images der Schweizer Banken.
Nach der Krypto-Welle gibt es nur wenige neue Produkte oder Dienstleistungen…
Die zwischen 2021 und 2024 beobachtete Aufbruchstimmung rund um digitale Vermögenswerte weicht einer Phase der Konsolidierung. Obwohl die Schweizer Banken bei der Integration von Blockchain-Lösungen und dezentralen Zahlungsmitteln führend sind, geben sie nun der Zuverlässigkeit und Compliance den Vorzug vor bahnbrechenden Innovationen. Im Jahr 2025 sind nur wenige neue Dienstleistungen entstanden, abgesehen von einigen Pilotinitiativen zu tokenisierten Zahlungen und fraktionierten Investitionen, die von PostFinance und UBS in Zusammenarbeit mit Sygnum durchgeführt wurden. Diese Vorsicht spiegelt den Wunsch wider, nach der Krypto-Welle das Bestehende zu stabilisieren und gleichzeitig die Grundlagen für die nächsten regulatorischen und technologischen Entwicklungen zu schaffen.
…aber eine Stärkung der Kundennähe durch kulturelle Veranstaltungen
Angesichts der Verlangsamung bei der Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen stärken die Institute ihre Beziehungen zu lokalen Kunden durch Massahmen mit hohem Beziehungswert. Das Sponsoring von Kulturveranstaltungen, regionale Partnerschaften und Finanzbildungsprogramme nehmen zu. Diese Initiativen zielen darauf ab, die gesellschaftliche Bedeutung der Banken zu bekräftigen, ihr Image zu modernisieren und das Vertrauensverhältnis zu den Kunden zu pflegen. Durch die Verbindung von Kultur, Bildung und Kundennähe versuchen sie, den Rückgang des Engagements auf den traditionellen Kanälen auszugleichen und eine authentischere Beziehung aufzubauen, insbesondere zu den jüngeren Generationen. Wir stellen somit einen deutlichen Unterschied zwischen den Neobanken, die ein optimales digitales Erlebnis bieten, und den traditionellen Banken, die die Nähe zu ihren Kunden stärken, fest.
KI: vom Traum zur Realität?
Künstliche Intelligenz hat sich mittlerweile als strategischer Hebel des Bankmodells etabliert, weit über die ersten Experimente hinaus. Chatbots der neuen Generation, automatisiertes Scoring und personalisierte Angebote markieren einen tiefgreifenden Wandel in der Kundenbeziehung. Banken wie UBS, BEKB oder Neon haben mit GenAI ausgestattete Chatbots integriert, um den Service und die Reaktionsfähigkeit zu verbessern. Allerdings ist der Reifegrad noch uneinheitlich: Die Initiativen konzentrieren sich nach wie vor auf operative Anwendungsfälle und sind noch weit von einer vollständig in die Kundenerlebnisstrategie integrierten KI entfernt. Die Herausforderung der nächsten Jahre wird darin bestehen, von einer experimentellen KI zu einer verantwortungsvollen, ethischen und messbaren KI überzugehen.
Muss der Soldat ESG gerettet werden?
Nach mehreren Jahren intensiver Kommunikation zum Thema nachhaltige Finanzen stagniert das ESG-Engagement der Schweizer Banken. Zwar integrieren einige Banken wie PostFinance Nachhaltigkeitsindikatoren nun direkt in ihre mobilen Apps, doch die Kohärenz zwischen Worten und Taten ist noch verbesserungsfähig. Die regulatorischen Anforderungen werden verschärft, doch die Unterschiede im Reifegrad sind nach wie vor gross. Die verantwortungsvolle Digitalisierung schreitet voran – Swissquote, Raiffeisen und SGKB erreichen im EcoIndex mehr als 60 von 100 Punkten –, aber die Bemühungen bleiben fragmentiert. Die Herausforderung besteht nun darin, ESG wieder in den Mittelpunkt des digitalen Wertversprechens zu rücken. ESG ist mehr als nur ein Imagefaktor, es ist ein echter Differenzierungs- und Vertrauensfaktor.
Im Jahr 2025 wird Innovation nicht mehr nur an der Neuheit von Produkten und Dienstleistungen gemessen, sondern an der Qualität der Erfahrungen, der Transparenz und der digitalen Verantwortung. Das Handy wird zum Dreh- und Angelpunkt der Beziehung, KI zum Motor der Personalisierung und soziale Medien zum Katalysator der Nähe.
Bis 2026-2027 wird die Herausforderung darin bestehen, diese Hebel nachhaltig in eine Logik des Vertrauens, der Nachhaltigkeit und der Leistung zu integrieren. Die Banken, denen es gelingt, verantwortungsvolle Innovation, kontrollierte KI und echte gesellschaftliche Wirkung zu verbinden, werden den Standard des digitalen Bankwesens in der Schweiz neu definieren.

Methodologie
Die Studie basiert auf Messungen, die von Juni bis August 2025 an einem Panel von 28 wichtige Akteure im Retailbanken.
Traditionelle Banken: Migros Bank, Credit Agricole Next Bank, PostFinance, Raiffeisen, Valiant, UBS,
Kantonalbanken: Aargau, Basel, Bern, Freiburg, Genf, Graubünden, Luzern, Schwyz, St. Gallen, Thurgau, Wallis, Waadt, Zürich
Digitale Banken und Neo-Banken: Cler, Dukascopy, N26, Neon, Revolut, Swissquote, Yuh, Fea Money, Yapeal
Wir bieten einen digitalen Index an, um die digitale Präsenz und Leistung der Akteure anhand von über 50 Indikatoren zu messen:
- Webseite : Publikum, Leistung (Bounce, Besuchs- und Ladezeit, Core Web Vitals), Kundenerlebnis (Design, Inhalt und Funktionen) und Verantwortungsvolle Digitalisierung (EcoIndex)
- Mobile Apps: Updates, Kommentare und Bewertungen, NPS (Net Promoter Score), Referenzierung in den Stores
- Digitales Marketing: SEO, Display, E-Mail, soziale Netzwerke, Partner
- Soziale Netzwerke: Instagram, LinkedIn, Facebook, Youtube, X (ex-Twitter) und TikTok
Verwendete Lösungen
Wir haben verschiedene Erfassungsinstrumente verwendet und alle Daten in Form eines Indexes aufgearbeitet, der einen einfachen und visuellen Benchmark des Sektors ermöglicht. Die gewählten Lösungen sind: Decodeapps, Similar Web, Semrush, Built with, Google, Page Speed Insights, EcoIndex.
Weitere Informationen finden Sie in unseren Angeboten Banken und Kundennutzen.