Die europäische CSRD-Richtlinie (Corporate Sustainability Reporting Directive) wird seit dem 1. Januar 2024 schrittweise umgesetzt. Es sind noch Änderungen zu erwarten, aber die Veröffentlichung von nichtfinanziellen Berichten wird nach und nach die Gesamtheit der europäischen Unternehmen betreffen. Wie steht es um die Schweizer Unternehmen?
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Unsere Analyse zeigt, dass die Schweizer Finanzinstitute Fortschritte bei der Integration von ESG-Kriterien machen. Auch wenn bereits beachtliche Fortschritte erzielt wurden, bleibt noch viel zu tun. Die Steuerung zeichnet sich als Hauptmotor dieser Transformation aus und wird durch spezielle Nachhaltigkeitsausschüsse unterstützt, die sicherstellen, dass ESG-Kriterien in die Strategien der Finanzinstitute integriert werden. Im sozialen Bereich sind solide Initiativen in Bezug auf Vielfalt und Inklusion erkennbar, auch wenn es noch Verbesserungsbedarf gibt, insbesondere bei der Berücksichtigung von Kundenfeedback und -zufriedenheit, vor allem im Privatbankgeschäft. Insgesamt sind die Grundlagen solide, aber es bedarf verstärkter Anstrengungen, um nachhaltige Finanzwirtschaft zu einer voll verankerten Realität in der Schweizer Landschaft zu machen.

Umwelt: ein Engagement, das gestärkt werden muss
Die Schweizer Finanzinstitute zeigen eine wachsende Bereitschaft, Umweltfragen in ihre Strategien einzubeziehen. Die Transparenz über die ökologischen Auswirkungen ihrer Aktivitäten verbessert sich, und der ökologische Wandel wird nun eher als strategische Chance denn als moralischer Imperativ gesehen. Eine grosse Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Die Banken spielen über ihre Finanzierungsentscheidungen eine Schlüsselrolle bei der Energiewende, doch ihr Engagement im Kampf gegen den Klimawandel ist nach wie vor unzureichend.
Ein Bericht des WWF vom November 2024 stuft die Schweizer Banken in Sachen Nachhaltigkeit als „durchschnittlich“ ein und weist auf die Notwendigkeit ehrgeizigerer Massnahmen hin. ESG-Investitionen berücksichtigen zwar verstärkt Klimarisiken, unterstützen aber weiterhin einige kontroverse Sektoren. Die biologische Vielfalt bleibt ein häufig vernachlässigtes Thema, obwohl sie für jede globale Umweltstrategie von entscheidender Bedeutung ist. Eine Harmonisierung der Praktiken und eine bessere Einbeziehung der Biodiversität in die Investitionsentscheidungen sind notwendig, um den Übergang zu beschleunigen.
Während sich einige Banken wie Helvetia und Julius Bär durch Transparenz und klare Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen auszeichnen, fehlt es den meisten Akteuren des Finanzsektors noch an detaillierten Strategien. Um ihren Verpflichtungen Glaubwürdigkeit zu verleihen, müssen sie konkrete Massnahmen festlegen und spezifische Ressourcen für die Umsetzung ihrer Klimaschutzambitionen bereitstellen. Schliesslich wird die Stärkung des Dialogs mit den Interessevertretern und die stärkere Einbeziehung ihrer Erwartungen in die ESG-Strategien von entscheidender Bedeutung sein, um Vertrauen und kollektives Engagement zu etablieren.
Soziales: Vielfalt & Integration, Kundenorientierung, Fortschritte, aber noch Lücken
Vielfalt, Inklusion und die Achtung der Menschenrechte sind heute fest verankerte Pfeiler in der Unternehmensführung der Schweizer Finanzinstitute. UBS, Helvetia und PostFinance stechen durch ihre konkreten Massnahmen und das Engagement ihres Topmanagements für diese Prinzipien hervor. Dennoch gibt es noch Spielraum für Verbesserungen, insbesondere bei der Berücksichtigung externer Interessevertreter.
Ein besonders bemerkenswerter Verbesserungsansatz betrifft das Management der Kundenbeziehungen, insbesondere im Bereich des Privatbankwesens. Obwohl die Institute die Verbraucherrechte achten und strenge Protokolle zum Schutz personenbezogener Daten anwenden, wird den Kunden noch immer nicht aktiv zugehört und ihr Feedback nicht ausreichend berücksichtigt. Das Fehlen öffentlicher Daten über die Kundenzufriedenheit in diesem Segment verdeutlicht diesen Mangel an Transparenz und Rücksichtnahme.
Steuerung: Reifegrad nachgewiesen, aber noch Lücken zu schliessen
Die Unternehmen des Schweizer Finanzsektors haben im Bereich der ESG-Steuerung eine solide Reife erlangt. Spezielle Nachhaltigkeitsausschüsse überwachen genau, wie ESG-Kriterien in die Unternehmensstrategien integriert werden, und die Sustainability Reports liefern regelmässig Daten zu ihrer ESG-Leistung. Allerdings bestehen zwischen den einzelnen Unternehmen nach wie vor Unterschiede in der Art und Weise, wie ESG-Risiken in das Gesamtrisikomanagement integriert werden.
Einige Unternehmen wie UBS, Raiffeisen, ZKB, PostFinance und Helvetia zeichnen sich dadurch aus, dass sie diese Herausforderungen direkt in ihre Kreditbewertungs- und Risikomanagementprozesse integrieren, während andere einen Rückstand bei diesen Praktiken aufweisen. Eine stärkere Harmonisierung und Standardisierung der Methoden zur Bewertung von ESG-Risiken würde eine einheitlichere und effektivere Übernahme der Grundsätze einer nachhaltigen Unternehmensführung gewährleisten.
Nachhaltigkeit und Leistung: Ein Gleichgewicht muss gefunden werden
Die Integration von ESG-Kriterien in den Schweizer Finanzsektor spiegelt eine ermutigende Dynamik wider, ist jedoch mit erheblichen Spannungen konfrontiert. Die Anwendung von Regelwerken wie CSRD zielt auf die Strukturierung von Nachhaltigkeitspraktiken ab, stösst aber auch auf Kritik seitens einiger Regierungen und Unternehmen, die hohe Kosten und Einschränkungen der Wettbewerbsfähigkeit anprangern. Darüber hinaus sorgen der wachsende Widerstand gegen bestimmte Nachhaltigkeitsstrategien und die Tatsache, dass viele Kunden die finanzielle Performance in den Vordergrund stellen, für zusätzliche Komplexität bei diesem Übergang.
In einem sich wandelnden internationalen Kontext, in dem die USA unter der Trump-Administration eher ablehnende Positionen einnehmen, während China sich als Führer der Energiewende positioniert (obwohl es weiterhin der am höchsten globale Umweltverschmutzer ist), müssen die Schweizer Banken unbedingt ein Gleichgewicht zwischen Nachhaltigkeit und Rendite finden. Innovation kann dabei eine Schlüsselrolle spielen, indem sie zeigt, dass verantwortungsbewusste Investitionen nicht unvereinbar mit langfristig wettbewerbsfähigen Renditen sind.
Um diesen Übergang erfolgreich zu gestalten, wird es entscheidend sein, die Zusammenarbeit zwischen Regulierungsbehörden, Finanzinstituten und Investoren zu verstärken und gleichzeitig das Bewusstsein der Interessevertreter für die Vorteile eines ausgewogenen Ansatzes zu schärfen. Nur wenn die Schweiz ihr nachhaltiges Engagement mit den wirtschaftlichen Anforderungen in Einklang bringt, kann sie ihre Führungsrolle im Bereich der verantwortungsvollen Finanzwirtschaft festigen und den Herausforderungen eines sich wandelnden Finanzsektors begegnen.
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